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Kaufen Sie vor allem, was Sie langfristig gebrauchen können

gepostet am vor 3 Stunden

Wie verspricht der Börsenherbst zu werden? Aktienfans sind noch gelassen, wenn sie die freundliche bis feste Tendenz der zurückliegenden Wochen und Monate erfolgreichen begleitet haben. Diese aber einfach fortzuschreiben, halte ich für zunehmend gefährlich. Angesichts der vielseitigen Probleme der internationalen Volkswirtschaft ist das Risiko für Anleger vermutlich größer als das aktuelle Chancenpotential.

Auch bei uns droht sich die Stimmung empfindlich einzutrüben: Aus einzelnen Branchen und Unternehmen kommen zunehmend negative Meldungen, wie hier von den Experten vom Ifo Institut.

Jedes 4. Unternehmen fürchtet um seine Wettbewerbsfähigkeit

Jedes vierte Unternehmen in Deutschland (25,4 Prozent) fürchtet, auf Märkten außerhalb der EU an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Das ergab eine aktuelle Befragung im Juli. Die Wettbewerbsposition deutscher Industrieprodukte auf dem europäischen Markt verschlechtert sich nach Ansicht von 17 Prozent der Unternehmen. „Die deutsche Industrie kann auf den internationalen Märkten weiterhin keinen Boden gutmachen“, sagt Klaus Wohlrabe. „Gerade außerhalb Europas bleibt der Wettbewerbsdruck hoch.“

Zum Vergleich: Eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit außerhalb Europas sehen nur 5,2 Prozent, in Bezug auf die Konkurrenz innerhalb Europas sind es 6,3 Prozent. Besonders schwierig ist die Lage in der Automobilindustrie. Dort berichten 43,0 Prozent der Unternehmen von einer schlechteren Wettbewerbsposition auf Märkten außerhalb der EU. In der Metallerzeugung und -bearbeitung sind es 29,1 Prozent, in der Chemischen Industrie 26,0 Prozent und im Maschinenbau 25,5 Prozent. Auch bei den Herstellern von Metallerzeugnissen (25,3 Prozent) und elektrischen Ausrüstungen (24,5 Prozent) sieht rund jedes vierte Unternehmen seine Wettbewerbsposition auf den internationalen Märkten geschwächt.

Unternehmen auch innerhalb Europas unter Druck
Viele Unternehmen stehen auch innerhalb der EU unter Druck. Besonders häufig berichten die Automobilindustrie (24,8 Prozent) und die Chemische Industrie (22,1 Prozent) von einer schlechteren Wettbewerbsposition. „Die Wettbewerbsprobleme der deutschen Industrie sind struktureller Natur“, so Wohlrabe. „Kurzfristige konjunkturelle Verbesserungen allein werden daran wenig ändern.“

Eine positive Ausnahme ist die Getränkeindustrie. Sie ist die einzige Branche, die ihre Wettbewerbsposition sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU verbessern konnte.

Geopolitische Instabilität hält an

Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor ist die Geldpolitik der führenden Notenbanken geworden: Kaum ein Tag vergeht, an dem die Analysten und Händler an den Märkten nicht über die nächsten Zinssteigerungsschritte von Fed und EZB diskutieren.

Die geopolitische Instabilität hält an; das Inflationsrisiko bleibt. Die EZB dürfte erhöhen und die Rendite 10-jähriger Bunds verharrt oberhalb der 3 %-Marke. Angesichts des anhaltend schwierigen geopolitischen Umfelds und eines dauerhaft erhöhten Ölpreises hält die Strategen der Helaba eine weitere Zinsanhebung der EZB um 25 Basispunkte in diesem Jahr für wahrscheinlich. Die Hoffnungen auf eine Beruhigung der Lage im Persischen Golf haben sich bisher nicht erfüllt. Der Extremsommer hat stattdessen für zusätzliche inflationäre Unsicherheit gesorgt. Inzwischen erwarten die Anleger eindeutig eine zweite Zinsanhebung der EZB. Diese Erwartungshaltung dürfte auch im EZB-Rat eine gewisse Rolle spielen. Sollte dieser trotz der verschärften Risikolage zögern, könnte dies der Zentralbank als Schwäche ausgelegt werden. Die selbst verschuldete schwierige Lage der Fed dürfte als abschreckendes Beispiel dienen. Gleichzeitig haben die jüngsten Wachstumszahlen aus dem Euroraum eine gewisse Robustheit der Konjunktur gezeigt. Dies schafft geldpolitischen Spielraum.

Keine Anlageklasse drängt sich aktuell auf

Vor diesem wirtschaftlichen und geopolitischen Hintergrund fällt es immer schwerer, eine zuverlässig aussehende Anlageklasse zu definieren. Das gilt übrigens auch für Aktien, selbst wenn diese in den vergangenen Wochen eine überdurchschnittlich positive Entwicklung aufweisen konnten.

Naturgemäß gilt Ihr Interesse aber gerade den (möglichst unterbewerteten) Aktien, geschätzte Anleger. Ich möchte an dieser Stelle insbesondere vor hastigen Käufen warnen, denn die zweite Jahreshälfte könnte viele Enttäuschungen liefern. Meine Zurückhaltung für einzelne Empfehlungen mag manchen enttäuschen. Die aktuelle Phase ist nach meinem Empfinden aber nicht geeignet, um größere neue Positionen einzugehen. Wer dennoch überflüssig erscheinende Liquidität an die Märkte bringen will, sollte dies nur mit ausgeprägt langfristigem Charakter umsetzen. Mit anderen Worten: Kaufen Sie Titel und Brachenrepräsentanten mit weltweitem hohem Ansehen.

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