Die Lieferketten bleiben stark konzentriert, auch bei weiteren kritischen Rohstoffen und Verarbeitungstechnologien, heißt es im neuen „Global Critical Minerals Outlook“. Diversifizierung und strategische Vorräte könnten das Versorgungsrisiko laut Internationaler Energieagentur zu vergleichsweise überschaubaren Kosten abmildern.
Kritische Rohstoffe rücken immer stärker in den Mittelpunkt der Energie-, Wirtschafts- und Sicherheitspolitik. Sie werden nicht nur für Batterien, Windkraftanlagen und Stromnetze benötigt, sondern auch für Halbleiter, Künstliche Intelligenz sowie die Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie. Wie sich Angebot, Nachfrage und Investitionen entwickeln, analysiert die Internationale Energieagentur IEA in ihrem jährlich erscheinenden „Global Critical Minerals Outlook“, dessen Ausgabe für 2026 nun vorliegt.
Dem Bericht zufolge haben sich die Versorgungsrisiken weiter verschärft, was sich auch in den zuletzt wieder gestiegenen Preisen vieler kritischer Rohstoffe zeigte. Grund waren unter anderem neue Exportbeschränkungen wichtiger Lieferländer. Zugleich gingen die Investitionen vieler großer Bergbauunternehmen in kritische Rohstoffe 2025 um neun Prozent zurück.
Die geografische Konzentration der Lieferketten nahm weiter zu, insbesondere bei der Raffination wichtiger Energierohstoffe wie Nickel, Mangan und Graphit. Eine Ausnahme bilden Seltene Erden: Neue Projekte in den USA und eine höhere Produktion in Malaysia konnten Chinas Anteil an der Raffination verringern – von über 90 Prozent im Jahr 2023 auf 85 Prozent im Jahr 2025. Bis 2035 könnten es laut IEA 70 Prozent sein, sofern die angekündigten Projekte umgesetzt werden. Allerdings wird in der Analyse nicht zwischen leichten und schweren Seltenerdelementen differenziert, bei letzteren ist Chinas Vorsprung in der Produktion noch deutlich größer.
Zusätzliche Risiken entstehen, weil viele Exportkontrollen inzwischen nicht nur Rohstoffe, sondern auch Verarbeitungstechnologien und Anlagen betreffen. Chinas Ausfuhrauflagen für mehrere Seltenerdelemente etwa wurden im Herbst 2025 entsprechend ausgeweitet. Zwar ist ein Teil der neuen Regeln bis November 2026 ausgesetzt; bei einer vollständigen Umsetzung könnten laut IEA jedoch Produktionsbereiche außerhalb Chinas im Wert von rund 6,5 Billionen US-Dollar jährlich gefährdet sein.
Kosten für Vorsorge wären vergleichsweise moderat – verglichen mit möglichen Lieferausfällen
Trotz der hohen Konzentration der Wertschöpfungsketten hält die IEA eine Diversifizierung gerade bei strategischen Spezialrohstoffen mit kleinen Märkten für finanziell machbar. Für breiter aufgestellte Lieferketten magnetrelevanter Seltener Erden etwa wären in den kommenden zehn Jahren rund 60 Milliarden US-Dollar nötig. Auch strategische Vorräte könnten helfen, kurzfristige Engpässe zu überbrücken. Für elf besonders gefährdete Rohstoffe schätzt die Agentur die jährlichen Nettokosten solcher Lager außerhalb des jeweils wichtigsten Lieferlandes auf weniger als 900 Millionen US-Dollar. Verglichen mit den möglichen wirtschaftlichen Schäden durch Lieferausfälle sei das ein überschaubarer Betrag.
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