Die Vorhaben verteilen sich auf 16 EU-Länder. Finanzierung und Wettbewerbsfähigkeit bleiben zentrale Hürden.
Die Europäische Kommission hat 46 weitere Rohstoffvorhaben als strategische Projekte eingestuft. Die Gesamtzahl steigt somit auf 106. Die neuen Vorhaben verteilen sich auf 16 EU-Länder und sollen laut EU-Kommission öffentliche und private Investitionen in Höhe von rund 21,1 Milliarden Euro mobilisieren.
Strategische Projekte spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des Critical Raw Materials Acts (CRMA). 2024 in Kraft getreten, soll er die EU-Rohstoffversorgung bis 2030 durch mehrere Zielvorgaben wie mehr heimischen Bergbau und Recycling unabhängiger von Importen machen. Strategische Projekte können dabei von schnelleren Genehmigungsverfahren und Unterstützung beim Zugang zu Finanzmitteln profitieren.
Bei Seltenen Erden setzt die EU auf bekannte Akteure
Vier der ausgewählten Vorhaben betreffen Seltene Erden, darunter mit Sokli in Finnland nur eines im Bereich Bergbau. Hinter den übrigen stehen Unternehmen, die bereits Teile der europäischen Seltenerd-Wertschöpfungskette innehaben. In Estland soll der vom kanadischen Konzern Neo Performance Materials betriebene Standort zur Verarbeitung ausgebaut werden. Hinzu kommen zwei Recyclingprojekte: BREES der Solvay-Tochter Rhodia Operations in Frankreich und ein Vorhaben der HyProMag GmbH in Deutschland.
Auch Gallium und Germanium sind in der Auswahl vertreten. In der Slowakei sollen Kapazitäten für das Recycling und die Raffination von Gallium entstehen. Ein polnisches Vorhaben ist darauf ausgerichtet, Germanium zusammen mit Aluminium, Kupfer und Platingruppenmetallen aus Abfällen zurückzugewinnen.
Insgesamt fünf Projekte betreffen Platingruppenmetalle, darunter ein geplantes Bergwerk in Finnland. Suhanko in Lappland soll ein polymetallisches Vorkommen erschließen, das neben Palladium, Platin und Rhodium Kupfer, Nickel, Kobalt und Gold umfasst.
Darüber hinaus umfasst die Liste vor allem zahlreiche Vorhaben für Lithium, Nickel, Graphit, Kupfer, Kobalt und Aluminium.
Strategischer Status garantiert keine Wettbewerbsfähigkeit
Das Konzept und die Umsetzung des CRMA stehen allerdings immer wieder in der Kritik. Bereits kurz nach dem Inkrafttreten hatten Branchenvertreter zusätzliche Finanzierung gefordert. Der Status als strategisches Projekt erleichtert lediglich den Zugang zu bestehenden EU-Finanzinstrumenten. Anfang 2026 zog der Europäische Rechnungshof eine ernüchternde Bilanz und sah die Rohstoffziele der EU gefährdet. Im August schlugen zudem die Betreiber von 23 der damals 60 strategischen Projekte Alarm: die mit dem Status verbundenen Erwartungen an Finanzierung, einen besseren Marktzugang und schnellere Genehmigungsverfahren hätten sich teilweise nicht erfüllt.
Photo: via Canva, Montage Rohstoff.net

