Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um europäische Aktien zu kaufen? Internationale Börsenprofis liefern eine einheitliche Antwort.
Der April war per Saldo nicht übel. Und die steigenden Fair-Value-Schätzungen für einige der größten europäischen Unternehmen haben die Bewertungslandschaft am Markt neu geprägt, wobei sich die Renditen der einzelnen Sektoren nach einer Morningstar-Übersicht stark voneinander unterschieden.
Ende April notierte der europäische Markt mit einem Abschlag von 5 %, was dem US-Markt entsprach. Dänemark und Deutschland waren die am stärksten unterbewerteten Länderindizes in Europa. Zyklische Konsumgüter waren der günstigste Sektor, Energie der teuerste.
Seit Beginn des Krieges im Iran erleben die europäischen Aktienmärkte eine Achterbahnfahrt. Der Morningstar Europe Index legte im April um 5,5 % zu, nachdem er im März um 7,8 % gefallen war. Obwohl alle europäischen Aktienmärkte im vergangenen Monat Gewinne verzeichneten, gab es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern.
Der finnische Aktienmarkt war im vergangenen Monat mit einer Rendite von 10,89 % der ertragsstärkste, was vor allem auf den spektakulären Kursanstieg von Nokia um 56,6 % zurückzuführen ist, das rund 25 % des Morningstar Finland Index ausmacht. Am Ende der Rangliste stand der norwegische Aktienmarkt mit einem leichten Plus von 0,1 %, der durch den Kursrückgang von Equinor (EQNR) um 9,0 % beeinträchtigt wurde.
EZB: Zwischen Inflationsanstieg und Wachstumsflaute
Die entscheidenden Einflüsse sind weitgehend bekannt – nur was wann die Stimmung bewegt, muss fast täglich neu überprüft werden. Von besonderem Gewicht: Die Notenbanken sind in Lauerstellung: Kommt es zu Zinserhöhungen? In der aktuellen geldpolitischen Debatte stehen die Zentralbanken vor einer Herkulesaufgabe. Das globale Umfeld ist seit dem Beginn des Nahost-Konflikts geprägt von einer deutlichen Zunahme der Inflation, einer fragilen wirtschaftlichen Erholung, vor allem in Europa und in Asien, sowie einer zunehmenden Divergenz zwischen den großen Wirtschaftsräumen. Dabei ist das Risiko politischer Fehlentscheidungen so hoch ist wie selten zuvor.
Die Entscheidung der EZB, die Leitzinsen vorerst unverändert zu lassen, ist das Ergebnis einer differenzierten Analyse. Während der oberflächliche Blick auf die Teuerungsraten Sorgen bereiten könnte, offenbart die Detailanalyse ein komplexeres Bild. Die Gesamtinflationsrate im Euroraum ist im April primär durch gestiegene Energiepreise auf 3,0 Prozent angestiegen. Doch ist dies laut Analysten nur die halbe Wahrheit. Mindestens genauso wichtig für die Geldpolitik ist die Kerninflationsrate (ohne Energie und Lebensmittel), und diese zeigt einen erfreulichen Trend.
Strategien für langfristigen Vermögensaufbau
Jedenfalls gehört für Sie, geschätzte Anleger, momentan viel Mut dazu, größere Engagements in die Aktienmärkte zu tätigen. Insofern passt ein Vorschlag von Dr. Hans-Jörg Naumer, Vordenker bei Allianz Global Investors, der in einer Analyse fünf Strategien für langfristigen Vermögensaufbau erläutert. In seiner jüngsten Kolumne bespricht er, warum Anleger jetzt auf Multi-Asset, Dividenden und Sparpläne setzen sollten.
Zollkonflikte, Iran-Krieg, Ölpreis-Verwerfungen – um es gleich vorwegzunehmen: Ändern dürfte sich das so schnell nicht, Anleger sollten sich auf anhaltend unruhigere Zeiten einstellen. Der Grund: Über die letzten Jahrzehnte kam es zu einer tektonischen Plattenverschiebung in der Welt. Die unipolare Weltordnung ist aufgebrochen und zu einer multipolaren Ordnung geworden. Politische Spannungen werden da nicht weniger.
Wichtig dabei nicht zu vergessen: Auch jetzt ist es die richtige Zeit, sein Geld für sich arbeiten zu lassen. Die technologische Disruption schreit geradezu danach, auf Wachstum zu setzen. Dazu fünf überlegenswerte Ideen.
Erstens Multi-Asset: Kurzfristige Verwerfungen an den Kapitalmärkten sind kein Grund dafür, die Langfrist-Strategie zu ändern. Letztere wird in einer Multi-Asset-Lösung auf mittlere oder längere Sicht festgezurrt, taktische Anpassungen kann dann das Fondsmanagement vornehmen.
Dividendenstrategien sind weniger volatil
Zweitens Dividenden. Wie die Allianz GI-Dividendenstudie Jahr für Jahr aufs Neue zeigt, sind Dividendenstrategien weniger volatil als der Gesamtmarkt. Hinzu kommt: Die Unternehmenslenker neigen stark dazu, einmal gezahlte Dividenden zumindest von der Höhe her beizubehalten, viel eher noch: sie anzuheben. Daher sollte der Beitrag von Dividenden zur Gesamtrendite von Aktienanlagen nicht unterschätzt werden.
Dividenden (und Kupons von Anleihen) sind es dann auch, die – drittens – Kapitaleinkommen so attraktiv machen und Anleger schwankungsresistenter werden lassen. Wer Monat für Monat eine gleichbleibende Ausschüttung einplanen kann, muss sich etwas weniger um Kursschwankungen kümmern.
Apropos „Schwankungen“: Zwischenzeitliche Kursverluste sind das Risiko, das – viertens – zur Risikoprämie gehört. Wer mehr Rendite will als der Geldmarkt hergibt, kann diese nicht umgehen. Die Risikoprämie aber ist es, welche die Gesamtperformance antreibt. Sie schafft Vermögen. Im Schlafwagen ist noch nie jemand wohlhabend geworden.
Und fünftens schließlich: Sparpläne. Dafür ist eigentlich immer der richtige Zeitpunkt. Denn für das Eröffnen eines Sparplans ist es völlig egal, ob die Straße von Hormus nun offen ist oder nicht.

