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Zwischen Raketen und Renditen

gepostet am vor 6 Tagen

Die Weltwirtschaft startet mit einer brisanten Mischung aus geopolitischer Eskalation, steigenden Energiepreisen und wachsendem Zinsdruck in den Herbst. Während der Konflikt am Persischen Golf die Inflationsrisiken neu entfacht und ein spektakuläres Öl-Abkommen zwischen den USA und Venezuela für Schlagzeilen sorgt, rücken die nächsten Schritte von EZB und Fed in den Mittelpunkt.

Öl und Inflation bleiben im Blickfeld

So lange – oder eher so kurz – war die Zeitspanne, bis am Persischen Golf erneut die Raketen flogen. Auf die Hintergründe und die Motivation soll hier nicht näher eingegangen werden, denn bekanntlich gleicht die Halbwertszeit von Informationen aus Nahost einer Kaffeepause. Erwähnenswert ist hingegen, dass kurz zuvor Meldungen über ein Öl-Abkommen der USA mit Venezuela zu lesen waren. Demnach sichern sich die Nordamerikaner 65 Milliarden Barrel der nachgewiesenen Ölreserven des rohstoffreichen südamerikanischen Landes. Vorerst dürfte die Teuerung weiter Auftrieb haben. Nachdem die Verbraucherpreise im August bereits 2,9 % über dem Vorjahreswert lagen, spricht einiges dafür, dass die Preissteigerung in Deutschland in den nächsten Monaten die 3-%-Marke knacken wird.

Weitere Zinsschritte der EZB sind vom Markt mittlerweile eingepreist, glauben die Optimisten der Helaba. Nach der Rede des Fed-Präsidenten Kevin Warsh zum vergangenen Wochenabschluss könnte man auch westlich des Atlantiks Leitzinserhöhungen als angemessenes Vorgehen verstehen. Der Ausblick auf weitere Zinserhöhungen, die vor allem durch die stark durch KI getriebene private Kapitalnachfrage sowie geopolitische und fiskalische Unsicherheiten angereizt werden, haben die langfristigen Renditen weiter steigen lassen.

Positive Prognose für Indien

Es gibt aber auch eher positive Standpunkte. Die Helaba hat ihre Prognosen für Indien teilweise nach oben gesetzt. Dieser wichtige Wachstumsmarkt trotzt bislang den globalen Gegenwinden und zeigt damit, dass sich die Irrungen und Wirrungen der Golfregion das Weltwachstum bei weitem noch nicht abgewürgt haben. Auch andere Länderprognosen wurden angepasst. Wie sich die deutsche Wirtschaft und unsere Nachbarn behaupten, muss sich noch zeigen.

Erholung der deutschen Wirtschaft setzt sich fort

Die Erholung der deutschen Wirtschaft setzt sich fort. Laut Analyse des Ifo-Instituts hat nach einem starken Jahresbeginn die Dynamik im zweiten Quartal zwar etwas nachgelassen. Die infolge des Iran-Krieges kräftig gestiegenen Energiepreise trieben die  Inflation in die Höhe und belasteten die konsumnahen Dienstleistungsbereiche. Die expansive Finanzpolitik in Deutschland und zunehmende Impulse aus dem Ausland verhinderten jedoch stärkere Bremsspuren durch den Energiepreisschock. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt wird im laufenden Jahr voraussichtlich um 1,4%, im kommenden Jahr um 1,2% und im Jahr 2028 um 0,8% zunehmen. Im Vergleich zur Ifo-Konjunkturprognose Sommer 2026 wurde die Wachstumsrate für das laufende Jahr um 0,6 Prozentpunkte und für das kommende Jahr um 0,4 Prozentpunkte angehoben.

Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe und bei unternehmensnahen Dienstleistern konnte die Wertschöpfung zulegen. Seit Juli sind jedoch neue konjunkturelle Störfeuer hinzugekommen. Nach dem Ende der Waffenruhe im Iran-Krieg stiegen die Energiepreise erneut kräftig. Gleichzeitig erreichten die Flüsse in Deutschland Rekordniedrigstände, was in besonders von Wasserstraßen abhängigen Wirtschaftszweigen zu Produktionsbehinderungen führen dürfte.

Lichtblicke auch in der deutschen Industrie

Ungeachtet dessen hat sich die Stimmung in Deutschland in den vergangenen Monaten spürbar aufgehellt. Insbesondere in der Industrie zeigen sich Lichtblicke: Die Auftragslage hat sich seit Jahresbeginn kontinuierlich verbessert und die Exporterwartungen haben zuletzt deutlich zugelegt. Vor dem Hintergrund einer robusten Weltkonjunktur dürften die Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe und die Ausfuhren auch im weiteren Prognosezeitraum zur konjunkturellen Erholung beitragen.

Die expansive Finanzpolitik wird die Konjunktur im gesamten Prognosezeitraum anschieben, sagen die Ifo-Experten voraus. Staatliche Mehrausgaben für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung erhöhen die öffentlichen Konsum- und Investitionsausgaben. Im laufenden Jahr summieren sich die finanzpolitischen Impulse auf knapp 40 Milliarden Euro. In den kommenden beiden Jahren dürften sie bei 27 beziehungsweise 18 Milliarden Euro liegen.

Staatsfinanzen und Inflation

Die Inflationsrate wird in diesem und im kommenden Jahr voraussichtlich bei 2,8% beziehungsweise 3,0% liegen und sich erst im Jahr 2028 mit 2,3% allmählich in Richtung des Zielwerts der Europäischen Zentralbank bewegen. Der expansive Kurs der Finanzpolitik lässt die Finanzierungsdefizite des Staates in diesem und den kommenden beiden Jahren ansteigen. Das Finanzierungsdefizit dürfte von 3,0% des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 auf 4,6% im Jahr 2028 steigen. Im selben Zeitraum wird der Bruttoschuldenstand voraussichtlich von 62,7% auf 67,9% der Wirtschaftsleistung zunehmen.

Zu guter Letzt

Offen gesagt, mir sind die Ausblicke noch zu optimistisch. Allein die Schuldenproblematik in Deutschland ist ein Gefahrenmoment, dessen Auswirkungen kaum vorhersehbar sind. Zusammen mit den Krisen- und Kriegsbelastungen, die auf die Industrieländer noch zukommen können, ergibt sich für die Finanzmärkte ein nach wie vor (!) unberechenbares Risikopotential. Deshalb neige ich dazu, bis auf Weiteres keine größeren Wertpapieranschaffungen zu empfehlen.

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