Die EU will ihre Rohstoffkooperation mit Vietnam vertiefen. Doch auch Unternehmen aus China und Südkorea haben das Land längst im Blick.
Vietnam könnte aufgrund seines Reichtums an Bodenschätzen ein wichtiger Partner für die Europäische Union werden, die ihre starke Abhängigkeit von China reduzieren möchte. Bereits im Januar hatten beide Seiten eine engere Zusammenarbeit vereinbart, unter anderem bei der Förderung und Verarbeitung strategisch wichtiger Materialien (wir berichteten). Nun könnten konkretere Schritte folgen, bei denen offenbar Eile geboten ist, wie Reuters exklusiv berichtet. Laut Dokumenten, die von der Nachrichtenagentur eingesehen werden konnte, wird erwogen, vietnamesische Rohstoffprojekte mit Krediten, Zuschüssen, aber auch technischer Unterstützung zu fördern. Exportkreditgarantien stehen offenbar auch zur Diskussion. Im Mittelpunkt dürften Verarbeitungskapazitäten stehen, ein Teil der Wertschöpfung, der bei vielen Rohstoffen von China dominiert wird.
Großes Potenzial, internationale Interessen
Mit 3,5 Millionen Tonnen weist Vietnam beträchtliche Reserven Seltener Erden auf, die Minenproduktion betrug laut Daten des US Geological Survey im vergangenen Jahr nur 150 Tonnen. Das Potential des Landes für die Rohstoffverarbeitung haben neben der EU längst auch Unternehmen wie LS Eco Energy erkannt. Der südkoreanische Konzern will in Ho-Chi-Minh-Stadt eine Produktionsanlage für Samariummetall bauen, das Ausgangsmaterial soll das australische Unternehmen Lynas liefern. Bereits 2024 sicherte sich der ebenfalls südkoreanische Konzern Trident Global Holdings Rechte an drei vietnamesischen Seltenerdminen, die gemeinsam mit einem lokalen Partner erschlossen werden sollen. Und auch China, von dem sich die EU unabhängiger machen will, ist längst in Vietnam aktiv. Der staatliche Konzern China Rare Earth Group sondierte 2024 eine Zusammenarbeit bei der Förderung und Verarbeitung Seltener Erden (wir berichteten).
Ob und wie sich die Kooperation zwischen EU und Vietnam angesichts dieser Gemengelange konkretisieren wird, könnte sich schon bald zeigen. Bei einem für den 22. Oktober geplanten Besuch von Vietnams Staatschef To Lam in Brüssel könnten erste Vereinbarungen erzielt werden.
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